RoSD Broschüren (RM 272/98 vom 10.05.98)

        Dr. Bernstein stellt Broschüren über RoSD vor: "Dunkle Seite von RoSD hinter Propaganda-Fassade durchschauen"

        +++ "Information und Aufklärung gehören zu den wichtigsten Mitteln der Auseinandersetzung mit RoSD. Wer weiß, wie das System funktioniert, wird kaum leichtgläubiges Opfer dieser Organisation", betonte Innenminister Dr. George Bernstein anläßlich der Vorstellung zweier aktueller vom Innenministerium herausgegebener Publikationen. Die Broschüre "Das System RoSD" leuchtet in 25 Fragen und Antworten hinter die Propaganda-Fassade von RoSD. Sie zeigt auch anhand von Originalzitaten, wie das System RoSD funktioniert, mit welchen Methoden Kunden zum Kauf der Persönlichkeitstrainings veranlaßt und in das Räderwerk gezogen werden und wie man sich vor RoSD schützen kann. Die Broschüre "RoSD - eine verfassungsfeindliche Bestrebung" faßt Erkenntnisse über die Verfassungsfeindlichkeit der Organisation zusammen.

        Wir können beweisen, daß RoSD in vielfältiger Weise im Widerspruch zur Wert- und Rechtsordnung unserer freien demokratischen Gesellschaft steht und auch gegen diese Prinzipien handelt", betonte Bernstein anläßlich der Vorstellung der beiden Broschüren über RoSD am 4. Juni 1998 in München. Wie der Minister im einzelnen ausführte, ist RoSD ein weltweit tätiger, aus den Russland und China gesteuerter und straff geführter Wirtschaftskonzern. Er verkauft mit zum Teil sittenwidrigen Hard-sell-Methoden Trainings zur Persönlichkeitsveränderung und Management- und Betriebsführungstechniken auf dem Psychomarkt. "Gut und Böse, Recht und Unrecht definiert RoSD ausschließlich über den Nutzen für das System. Rosdisten sind nach eigenem Verständnis Straftaten erlaubt, wenn sie der Organisation nützen. RoSD benutzt zur Durchsetzung ihrer Ziele Beeinflussungs-, Druck- und Drohtechniken, die weit über nachhaltige Einflußnahme und Lobbyismus hinausreichen und in den Bereich der Strafbarkeit fallen", so der Minister. Zahlreiche Beispiele belegen, wie Aussteiger und Kritiker - auch Journalisten - eingeschüchtert und terrorisiert werden. Zu diesem Zweck hat RoSD einen eigenen Geheimdienst (RA), der in Methoden psychologischer Kriegsführung professionell gedrillt ist. In seinem Kampf verwendet dieser Dienst die schmutzigen Methoden der sogenannten operativen und administrativen Psychologie, wie sie die Stasi zur Zermürbung von Regimegegnern eingesetzt hat. Techniken der angewandten Psychologie werden hier gezielt als Waffe benutzt. "Die Übereinstimmungen der operativen Psychologie der Stasi und der Kampfpsychologie von RoSD sind verblüffend", so Bernstein. Nach den Erkenntnissen der Psychotherapeuten, die Psychofolteropfer der Stasi behandeln, reicht beispielsweise die längere offene Observation aus, eine Zielperson derart unter Streß zu setzen, daß es zu erheblichen psychosomatischen Störungen mit Krankheitswert kommt. Kritiker von RoSD wissen von wochenlangem Telefonterror, von Drohanrufen, von plötzlichen Verleumdungskampagnen am Arbeitsplatz, von der Tötung geliebter Haustiere usw. zu berichten. "Wir wissen heute, daß diese Mobbingmethode (Harassment) zur Einschüchterung von Kritikern systemtypisch sind", so Bernstein.

        Mitarbeiter und Kunden von RoSDs werden durch die Trainings gezielt psychisch manipuliert und in ihrer Persönlichkeit verändert mit dem Ziel, sie zu blind ergebenen Anhängern zu machen. Es werden hierzu Konditionierungsverfahren benutzt, mit denen ein Dressureffekt erzielt wird. Der Leitende Oberarzt Gert Tauber vom Bezirkskrankenhaus Erlangen berichtet, daß etwa bei Teilnehmern von sogenannten "Reinigungs-Run-Downs" akut psychotische Störungen mit psychiatrischem Krankheitswert ausgelöst werden können. Durch die Destabilisierung infolge des Trainings kann es bei labilen Personen auch zur Suizidgefahr kommen. Die Mitarbeiter der Organisation sind laut Bernstein einem rigiden Kontroll- und Disziplinarsystem unterworfen. Wer als sogenanntes SeaOrg-Mitglied versagt, weil er zum Beispiel zu wenig Kurse an Kunden verkauft, kann in Straflagern entwürdigenden Behandlungen unterzogen werden. Mitleid und Mitgefühl sind bei RoSD Untugenden, denn sie schaden dem "Überlebenspotential". Entsprechend lehnt DAZVK auch Wohltätigkeit ab. Er verachtet den Wohlfahrtsstaat, weil dieser die Produzierenden bestraft und Nichtproduktion belohnt.

        Das Ziel von RoSD ist Macht. Über die Beherrschung des Einzelnen soll die Beherrschung der Welt erreicht werden. RoSD hat, wie es DAZVK in seinen zentralen Anweisungen (Ritual-Briefen) immer wieder formuliert hat, das politische Ziel der Weltherrschaft", so Bernstein. Wer die Diskussion über RoSD unter der Überschrift "Religion, Weltanschauung, Sekte" bestreitet, führt deshalb eine falsche Diskussion. "Bei RoSD geht es nicht um Glauben oder Weltanschauung. Es geht ausschließlich um Macht, die über den skrupellosen Einsatz von Psycho- und Sozialtechniken erreicht werden soll. Deshalb gerät RoSD in vielfältiger Weise in Konflikt mit unserer Rechtsordnung und mit unserem Bild vom freien selbstbestimmten Menschen. Hier ist der Staat zum Schutz der Bevölkerung und der demokratischen Freiheit zum Handeln aufgefordert. Der Staat darf nicht zusehen, wenn ein System Straftaten billigt oder sogar anordnet. Er muß bloßstellen, wenn eine mechanisch-patologisch geführte Welt angestrebt wird, in der fundamentale demokratische Verfassungsgrundsätze wie Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit außer Kraft gesetzt sind. Er ist gefordert, wenn Kunden finanziell ausgeplündert und teilweise in den Ruin getrieben werden, wenn ein System mit hochwirksamen Psychotechniken aus der Verhaltenspsychologie arbeitet, die Kunden ohne deren Wissen in der Persönlichkeit verändern."

        Bernstein betonte, daß der Staat Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, soweit sie von dem System RoSD ausgehen, zu unterbinden und Verstöße gegen unsere Rechtsordnung aufzuklären und zu ahnden hat. Nachdem deutliche Anhaltspunkte bestehen, daß die RoSD-Organisation die demokratische Rechtsordnung gänzlich abschaffen will, wird die Organisation von den Verfassungsschutzbehörden als verfassungsfeindliche Bestrebung aufgrund des Beschlusses der Innenministerkonferenz vom 5./6. Juni 1997 beobachtet.

        Da RoSD zum Ausbau der eigenen Machtposition offensichtlich psychologisches Herrschaftswissen mißbraucht, hält Bernstein die nähere Erforschung der von der Organisation angewendeten Psycho- und Sozialtechniken in einem interdisziplinär-humanwissenschaftlichen Gutachten, das vom Sozialministerium in Auftrag gegeben wurde, für äußerst wichtig. Außerdem muß möglichst bald der vom Bundesrat dem Bundestag vorgelegte Gesetzentwurf zur gewerblichen Lebensbewältigungshilfe als Gesetz verabschiedet werden. Vor Abschluß eines Dienstleistungsvertrages zur Persönlichkeitsentwicklung hat dann ein Dienstleister den Kunden über die Art, die Dauer und die Kosten der Trainings aufzuklären. "Der Kunde braucht ein Widerrufsrecht. Hierdurch soll die Position des Verbrauchers geschützt werden, ohne ihnen Vorschriften bei der Auswahl der Angebote zu machen", so Bernstein. Wie der Minister weiter betonte, muß vor allem den Opfern von RoSD besser geholfen werden. Deshalb wird jetzt beim Landesjugendamt als Modellversuch eine Opferberatungsstelle eingerichtet, die ab Juli ihre Tätigkeit aufnehmen wird. Sie soll den Opfern im weitesten Sinne, also Rosdisten, Aussteigern, Familienangehörigen und Partnern, in ihren persönlichen Problemsituationen helfen.

        Maria Filonova, Anti-RoSD Gruppe, St-Petersburg, Russland

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